Vorwort des Vorstands

Sehr geehrte*r Leser*in,

das Thema Klimaschutz gewinnt auf nationaler sowie europäischer Ebene immer mehr an Bedeutung. Im Dezember 2020 einigte man sich, die Treibhausgasemissionen europaweit bis zum Jahr 2030 um mindestens 55 Prozent statt bisher nur 40 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren. Um dieses Ziel zu erreichen, ist auf nationaler Ebene nun zeitnah ein sektorenübergreifend angelegter Rechtsrahmen erforderlich, damit die notwendigen immensen Investitionsmittel zielorientiert eingesetzt werden können.

© N‑ERGIE, Torsten Hönig

Seit dem ersten Quartal 2020 hat die Corona-Pandemie weitreichende Auswirkungen auf viele Bereiche unseres Unternehmens. Dank tragfähiger Strukturen und dem außerordentlichen Engagement unserer Mitarbeiter*innen können wir für 2020 mit einem Konzernumsatz von 3.111 Mio. Euro auf ein gutes Geschäftsjahr unter herausfordernden Bedingungen zurückblicken. Der Jahresüberschuss nach Ausschüttung an die Gesellschafter betrug 4 Mio. Euro.

Seit vielen Jahren machen wir uns für eine dezentrale, ganzheitliche Energiewende stark, die Erzeugung und Verbrauch vor Ort ausbalanciert und alle Sektoren einbezieht. Die Bereitschaft, in Anlagen zur Erzeugung aus erneuerbaren Energien zu investieren, war 2020 in unserem Netzgebiet so hoch wie noch nie. Auch unser eigenes Portfolio konnten wir mit fünf neuen Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) mit einer installierten Leistung von insgesamt rund 21 Megawatt peak erfolgreich erweitern. Im Umfeld unserer PV-Anlagen sorgen wir für mehr Biodiversität.

Zusammen mit unseren Partnerunternehmen im Ladeverbund+ tragen wir zum Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos in Nordbayern bei, um auch im Mobilitätssektor die Energiewende zu gestalten. Darüber hinaus haben wir im vergangenen Geschäftsjahr intensiv daran gearbeitet, dass wir unsere privaten Bestandskund*innen seit dem Jahresbeginn 2021 automatisch und ausschließlich mit Ökostrom versorgen können.

Mit der EEG-Novelle hat die Regierung unter anderem die längst überfällige Aufhebung des Förderdeckels für PV-Anlagen beschlossen – ein wichtiger Schritt, um in den kommenden Jahren den Ökostrom-Anteil am Stromverbrauch weiter auszubauen.

Diese auf dem Stromsektor erkennbare neue Dynamik ist auch im Wärmemarkt dringend erforderlich. Denn ohne Wärmewende gibt es keine erfolgreiche Energiewende.

Mit dem Brennstoffemissionshandelsgesetz wurde der Grundstein gelegt, dass auch hier nun der CO2-Ausstoß reglementiert wird. Erdgas ist heute und auch in der kommenden Dekade ein dominierender Energieträger, der bis zur vollen Erreichung der Klimaneutralität eine notwendige Ergänzung zu den Ausbaukorridoren der Erneuerbaren darstellt. Eine große Herausforderung besteht darin, das Erdgas sukzessive durch klimafreundlichere Energieträger zu ersetzen.

Insbesondere in den Ballungsräumen sind Fernwärmesysteme auf Basis von Kraft-Wärme-Kopplungs-(KWK-)Anlagen sowie Wärmespeicher im Verbund mit Power-to-Heat-Anlagen für die Flexibilisierung des Brennstoffeinsatzes eine der Voraussetzungen für die Erreichung der Klimaziele. Unser Heißwasserspeicher, den wir seit mehr als fünf Jahren betreiben, spart jährlich rund 30.000 Tonnen CO2 ein.

Die Corona-Krise stellt für Deutschland auch eine Chance dar. Alle Ausgaben und investitionspolitischen Anreize müssen ab sofort dahingehend geprüft werden, was sie zur Erreichung der Klimaziele und zur Innovationskraft des Landes beitragen. Mit dem ernsthaften politischen Willen können wir gestärkt aus dieser Krise hervorgehen.

Josef Hasler | Maik Render | Magdalena Weigel