Vorwort des Vorstands

Sehr geehrte Aktionäre, Partner und Freunde des Unternehmens,

im Herbst 2019 hat die deutsche Bundesregierung das Klimaschutzprogramm 2030 beschlossen. Die darin vorgeschlagenen Maßnahmen werden jedoch nicht ausreichen, die Klimaschutzziele 2030 zu erreichen. So ist unseres Erachtens beispielsweise die CO2-Bepreisung deutlich zu niedrig angesetzt. Der Ausbau der regenerativen Energien stockt eher, als dass er vorangetrieben wird. Vor allem der Ausbau der Windkraft kam praktisch zum Erliegen.

Als kommunales Unternehmen sind wir dem Wohle der Bevölkerung verpflichtet und werden auch in Zukunft die Energiewende in unserer Region für einen nachhaltigen Klimaschutz voranbringen. Im Jahresverlauf 2019 haben wir dafür beispielsweise drei Photovoltaik-Freiflächenanlagen mit einer Gesamtleistung von 1,9 Megawatt in Betrieb genommen. Insgesamt werden fast 60 Prozent des jährlich in unserem Netzgebiet verbrauchten Stroms in der Region erzeugt: Der Großteil stammt aus dezentralen Photovoltaik-, Windkraft- und Biomasseanlagen, der Rest aus Kraft-Wärme-Kopplungs (KWK)-Anlagen wie beispielsweise unserem Heizkraftwerk in Nürnberg-Sandreuth. Im Dezember 2019 endeten die fünf ersten Betriebsjahre unseres Wärmespeichers am Standort Nürnberg-Sandreuth. In diesem Zeitraum konnten wir dank des Speichers einen Ausstoß von rund 150.000 Tonnen CO2 vermeiden.

Der Ausbau der HGÜ-Trassen wird von der Bundesregierung nach wie vor als Voraussetzung für eine erfolgreiche Energiewende interpretiert. Fakt ist aber, dass diese Trassen weder einen maßgeblichen Beitrag zur Versorgungssicherheit noch zum Klimaschutz leisten. Da die Netzausbaukosten im Netzentwicklungsplan nicht berücksichtigt werden, fehlen Anreize eines lastnahen Ausbaus und die Trassen werden überdimensioniert geplant. Die Zeche – die aktuelle Kostenschätzung beläuft sich auf rund 100 Mrd. Euro – zahlen die Privathaushalte und der Mittelstand.

Für eine erfolgreiche Umsetzung der Energiewende und zur Erreichung der Klimaschutzziele müssen alle Sektoren, Strom, Wärme und Verkehr, strategisch miteinander verknüpft und die Energie vorrangig dort erzeugt werden, wo sie verbraucht wird. Eine solche dezentrale Energieversorgung fördert die eigentlichen Ziele der Energiewende, unter anderem durch den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien.

Im Wärmesektor etwa muss natürliches Erdgas vom Gaskraftwerk bis zum erdgasversorgten Gebäude sukzessive durch kohlenstofffreie oder zumindest -arme Komponenten ersetzt werden. Technisch kann zur Erreichung dieser Grüngasquote Ökostrom mit Hilfe der Power-to-X-Technologie in kohlenstofffreie Komponenten umgewandelt werden.

Lägen wirksame Rahmenbedingungen zur Stärkung dieser vielfältigen lokalen und regionalen Ansätze vor, würde der Ausbau der erneuerbaren Energien besser gefördert, so wäre die Energiewende heute deutlich weiter, der Klimaschutz deutlich wirksamer und die Akzeptanz der Energiewende deutlich höher.

Die N‑ERGIE blickt mit einem Konzernumsatz von 2.963,6 Mio. Euro auf ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr 2019 zurück. Der Jahresüberschuss nach Ausschüttung an die Gesellschafter betrug 5,4 Mio. Euro.

Josef Hasler | Magdalena Weigel