20. Juni 2018 / Unternehmen

Josef Hasler erneuert Forderung nach Rückführung der Übertragungsnetze in öffentliche Hand

Angesichts der aktuellen Berichterstattung über einen angeblich bereits unterschriebenen Kaufvertrag, demzufolge der chinesische Staatskonzern SGCC 20 Prozent von 50Hertz übernehmen soll, erneuert Josef Hasler, Vorstandsvorsitzender der N‑ERGIE Aktiengesellschaft, seine Kritik an der privatwirtschaftlichen Organisation des Übertragungsnetzes und der Übermacht dessen Betreiber.

N‑ERGIE Vorstandsvorsitzender Josef Hasler

„Dieser bereits zweite Versuch eines chinesischen Konzerns Einfluss auf die Übertragungsnetze zu nehmen, zeigt zwei Dinge deutlich auf: Erstens wie lukrativ ein solches Engagement mit garantierten Renditen auf Kosten der deutschen Stromkunden ist, zweitens, dass der deutsche Sonderweg, die Kontrolle der Übertragungsnetze Dritten zu überlassen, in die Irre führt“, erklärt Hasler.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung bekräftigt Hasler seinen Vorschlag, die Übertragungsnetze über eine neue Infrastrukturgesellschaft in die öffentliche Hand zu legen und damit neben der nationalen Datensicherheit auch eine ergebnisoffene Diskussion der Alternativen zum derzeit überdimensioniert geplanten Netzausbau zu bewirken. „Andere europäische Länder waren vorausblickender und haben die Kontrolle über das sensible Thema Netzinfrastruktur in der eigenen Hand behalten“, betont Hasler.

Dabei weist er nochmals auf das bestehende Ungleichgewicht zwischen den Übertragungs- und Verteilnetzen hin. Im derzeitigen System obliegt den Übertragungsnetzbetreibern die alleinige Verantwortung für die Stabilität des Netzgesamtsystems. „Mit der aktuellen Entwicklung wird augenfällig, dass dieses Ungleichgewicht eine Bedrohung des Lebensnervs jeder Volkswirtschaft – der Infrastruktur – darstellt.

Hasler wiederholt deshalb auch seine Forderung, „Rechte und Pflichten von Stromnetzbetreibern neu zu definieren: Stadtwerke und Verteilnetzbetreiber sind die Hauptakteure für die Umsetzung der Energiewende. Sie können und sie sollen deshalb mehr Verantwortung für die Stabilität des gesamten Netzsystems übernehmen können.“

Dieser Beitrag für die Versorgungssicherheit und die Sicherheit der Netzsysteme wäre zudem auch wirtschaftlich, argumentiert Hasler.

Er fordert die Politik auf, rasch einen Rechtsrahmen zu schaffen, der es Stadtwerken und Verteilnetzbetreibern ermöglicht, technisch und wirtschaftlich effizient Systemverantwortung für ihre Netze zu übernehmen.