Warum werden aktuell die Fernwärmepreise erhöht?

Der Krieg in der Ukraine hat den internationalen Energiemarkt massiv getroffen. Bereits zuvor waren die Energiepreise durch die von der Corona-Pandemie geschwächte Weltwirtschaft erheblich gestiegen. Der Krieg hat nun die Preise für Gas, Öl und Kohle dramatisch in die Höhe getrieben. Da wir die Fernwärme für Nürnberg überwiegend mithilfe von Erdgas produzieren, schlagen sich vor allem die massiv gestiegenen Erdgaspreise auf die Kosten der Fernwärmeerzeugung nieder.

© N‑ERGIE, N‑ERGIE

Preisentwicklung Erdgas

Wichtiger Hinweis:

Am 29. September 2022 wurde angekündigt, dass die bereits beschlossene „Gasbeschaffungsumlage“, die eigentlich zum 1. Oktober 2022 in Kraft getreten wäre, zurückgenommen werden soll. Das wäre auch für Fernwärmekunden eine gute Nachricht, da auch ihnen die Umlage erspart bliebe. Lediglich die deutlich geringere „Gasspeicherumlage“ sowie die „Bilanzierungsumlage“ kämen dann noch zum Tragen.

Zusätzlich wurde angekündigt, dass die Mehrwertsteuer nun nicht nur für Erdgas, sondern auch für Fernwärme von 19 auf 7 Prozent gesenkt werden soll.

Selbstverständlich wird die N‑ERGIE beide Entlastungen vollständig an ihre Kunden weitergeben, sobald diese gesetzlich in Kraft treten.

Fragen und Antworten zur Preisänderung

Standardprodukt N‑ERGIE WÄRME:

Zum 1. Oktober 2022 erhöht sich der Fernwärmepreis um – je nach Verbrauch – rund 73 Prozent zuzüglich neu festgelegter Umlagen.

Sonderprodukt N‑ERGIE WÄRME LINE:

(für Ein- und Zweifamilienhäuser)

Zum 1. Oktober 2022 erhöht sich der Fernwärmepreis um rund 110 Prozent zuzüglich neu festgelegter Umlagen.

Sollte, wie angekündigt, eine Mehrwertsteuersenkung auch für Fernwärme in Kraft treten, werden wir diese natürlich vollständig an unsere Kunden weitergeben.

Neben den bestehenden Umlagen hat die Politik die Einführung von zwei neuen Gasumlagen zum 1. Oktober 2022 beschlossen. Diese Umlagen fallen auch an, wenn Erdgas für die Erzeugung von Fernwärme genutzt wird. Folgende Umlagen werden wir zukünftig in Rechnung stellen:

• Gasbeschaffungsumlage-Wärme
(wird voraussichtlich nicht erhoben, siehe Hinweis am Seitenanfang)

• Gasspeicherumlage-Wärme

• Bilanzierungsumlage-Wärme

Dabei wird jeder Umlagenpreis eine separate Rechnungszeile erhalten.

Die Preisanpassung berechnet sich aus der Anwendung von Preisformeln. Beim Standardprodukt N‑ERGIE WÄRME gibt es diese sowohl für den Grund- als auch für den Arbeitspreis.

Anstieg Grundpreis:

  • Gestiegene Materialkosten (Investitionsgüterindex)
  • Gestiegene Lohnkosten

Anstieg Arbeitspreis:

  • Massiv gestiegene Brennstoffkosten (Erdgas-Börsenpreise)
  • Stark gestiegene Emissionskosten (CO2-Preise)

Beim Sonderprodukt N‑ERGIE WÄRME LINE kommen die gleichen Preisfaktoren mit Ausnahme der Lohnkosten zum Ansatz.

Hohe Investitionen beispielsweise in den Fernwärmeanschluss erfordern lange Vertragslaufzeiten mit den Kund*innen. Während dieser Vertragslaufzeit wird der Preis für beide Seiten fair ermittelt. Deshalb räumt der Gesetzgeber die Entwicklung von Preisformeln ein, unter der Bedingung, dass sowohl die Kostenentwicklung bei der Erzeugung als auch die Verhältnisse am Wärmemarkt angemessen berücksichtigt werden.

Durch die Verwendung von variablen Preisfaktoren bleibt der Fernwärmepreis marktgerecht und flexibel. Preisänderungen sind in beide Richtungen möglich.

Alle Details zu den Preisformeln sind in den jeweiligen „Ergänzenden Bestimmungen“ hier zu finden. Die einzusetzenden Werte kommen dabei von neutralen Stellen wie dem Statistischen Bundesamt oder der Energiebörse EEX, was bedeutet, dass wir keinen Einfluss auf deren Entwicklung haben. Alle der Preisberechnung zugrundeliegenden Werte stellen wir unter der oben genannten Adresse zum Download zur Verfügung. So erleichtern wir es den Kunden den Preis nachzurechnen.

Die Verwendung der Börsenpreise (EEX-Werte) ist in unseren Fernwärmepreisformeln definiert und vertraglich fixiert. Grundsätzlich gilt, dass durch die Verwendung von Börsenpreisen Preisveränderungen schneller beim Kunden ankommen – das gilt nicht nur für steigende, sondern auch für sinkende Preise. Bei der Preisberechnung setzen wir zur Abfederung von Preisspitzen den 12-Monats-Durchschnitt der Börsenpreise an.

Demgegenüber misst das statistische Bundesamt mit seinen Indizes die Gasendkundenpreise. Durch die frühzeitige Beschaffung aller Energieunternehmen für die Gasversorgung verschiebt sich der Preisanstieg nach hinten, was sich in den kommenden Monaten noch zeigen wird. Die Folge bei der Verwendung der Werte des Statistischen Bundesamts wäre, dass die Fernwärmepreise zwar später, aber langfristig genauso stark steigen würden und dann auch später und langsamer wieder sinken würden.

Ein Vergleich mit anderen Fernwärmeunternehmen ist zu einem isolierten Zeitpunkt kaum aussagekräftig. Jedes Unternehmen hat eigene Abnahme- und Erzeugungsstrukturen, die in den jeweiligen Preisänderungsklauseln abgebildet werden. Zudem unterscheiden sich die Preisänderungsregelungen, wie etwa die Anpassungszeitpunkte oder die Zeiträume, für die die Indizes bei Anwendung der Preisänderungsklausel berücksichtigt werden.

Beispiel: Die N‑ERGIE führt ihre Preisanpassungen für Fernwärme einmal jährlich zum 01.10.2022 durch. Andere Stadtwerke haben einen halbjährigen oder vierteljährigen Rhythmus.

Prognosen zur Preisentwicklung von unserer Seite wären unseriös. Die Preisentwicklung wird von vielen Faktoren beeinflusst, die wir nicht oder nur am Rande beeinflussen können. Daher machen wir zur konkreten Entwicklung der Preise und ihrer Höhe keine Prognosen. Klar ist, dass der Ukraine-Krieg und die Drosselung der Gaslieferungen durch Russland den Druck auf das aktuell ohnehin sehr hohe Börsenpreisniveau erhöht haben. So sind dementsprechend weitere Preissteigerungen zu erwarten. In welcher Höhe, ist nicht prognostizierbar. Jede Aussage hierzu wäre Spekulation.

Um Nachzahlungen aufgrund der erheblichen Preissteigerungen zu vermeiden, prüfen wir die Abschläge und passen diese automatisch an. Über die genauen Beträge informieren wir die Kund*innen in einem separaten Anschreiben ab Oktober 2022. In den neu errechneten Abschlägen sind auch die Auswirkungen der Umlagenpreise enthalten.

Dies können wir leider nicht umsetzen. Sofern wir die Abschläge in der alten Höhe belassen, würden unsere Kunden Energie verbrauchen und die Kosten dann erst mit mehreren Monaten Verzug bezahlen. Die Abschläge sollen allerdings die realen Kosten des ungefähren monatlichen Verbrauchs im Jahresdurchschnitt spiegeln, so dass es eben nicht bei der Jahresabrechnung zu extrem hohen Nachzahlungen kommt. Denn diese führen aus unserer Erfahrung häufig zu nicht mehr lösbaren Energieschulden. Zudem müssten wir für diese Art der nachgelagerten Abrechnung in enorme Vorleistungen gehen. Auch für einzelne Kunden können wir hier keine Ausnahme machen, da wir alle unsere Kunden gleich behandeln. Auch wenn uns dieser Schritt nicht leichtfällt: Mit der Änderung Ihres monatlichen Abschlags möchten wir Sie schlussendlich vor zu großen Auswirkungen schützen.

Ab Herbst plant die N‑ERGIE ein temporäres, mobiles Beratungsangebot rund um das Thema Energiesparen und Preise an unterschiedlichen Standorten in Nürnberg. Nähere Informationen dazu sind https://www.n-ergie.de/n-ergie/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung-detail/ zu finden.

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Energie einsparen

Die N‑ERGIE ist sich darüber bewusst, dass die gestiegenen Energiepreise eine enorme Belastung bedeuten. Um die höheren Kosten etwas abzufedern, ist Energie einzusparen das wirksamste Mittel.