Karriere – Auszubildende
Natascha Neuner und Patrick Müller, ehemalige Auszubildende zu Industriekaufleuten
Während der Ausbildungszeit bei der N-ERGIE ist jeder Auszubildende einmal im Projektzentrum abgestellt. Für uns kaufmännische Auszubildende ist das im zweiten Lehrjahr für eine Zeit von ca. drei Monaten der Fall. Das Projektzentrum fungiert als innerbetrieblicher Dienstleister für den gesamten STWN-Konzern mit der Besonderheit, dass die komplette Sachbearbeitung und technische Ausführung der Aufträge komplett von Auszubildenden übernommen wird. Die Dienstleistungen beinhalten Elektroinstallationsarbeiten, Schaltschrankbau, Fertigung oder Reparatur von Kleinteilen und das Erstellen technischer Zeichnungen. Das Projektzentrum ist jedoch keine Juniorenfirma, da der Fokus hier nicht auf dem wirtschaftlichen Erfolg, sondern auf der Vermittlung von Schlüsselqualifikationen liegt.
Schon die Anlernphase war außergewöhnlicher als in anderen Abteilungen, in denen wir bisher abgestellt waren. Zuerst erhielten wir die wichtigsten Unterweisungen durch den leitenden Ausbilder des Projektzentrums. Diese beinhalten eine Sicherheitsbelehrung, einen Rundgang durch die Räumlichkeiten und ggf. eine Einweisung in die Nutzung von Dienstfahrzeugen, da das Projektzentrum über einen eigenen Transporter verfügt. Diejenigen von uns, die bereits einen Führerschein besitzen, dürfen damit Materialien besorgen, Aufträge ausliefern und zu Ausfertigungsorten außerhalb der Lehrwerkstätten fahren.
Doch die eigentlich anfallenden Tätigkeiten im Alltag des Projektzentrums haben wir von unseren Vorgänger-Azubis im Projektzentrum gezeigt und erklärt bekommen. Wussten wir trotzdem mal nicht weiter, gibt es zur Sicherheit immer noch einen Ordner, der sämtliche Arbeitsschritte mit Erläuterungen und Abbildungen beinhaltet. Selbstverständlich war uns auch zu jeder Zeit unser Ausbilder mit Rat und Tat zur Seite gestanden.
Ein Arbeitstag im Projektzentrum beginnt für gewöhnlich um 7:00 Uhr, wenn sich alle Auszubildenden mit dem Ausbilder zur morgendlichen Besprechung treffen. Es wird besprochen, was am Vortag alles erledigt wurde und was heute jeder Einzelne zu tun hat. Wie wir uns jedoch unsere Aufgaben einteilen und abarbeiten war uns selbst überlassen. Anschließend widmet sich jeder seinen zugeteilten Aufgaben.
Meistens haben wir zuerst angelieferte Waren kontrolliert und verbucht. Weitere Tätigkeiten der kaufmännischen Azubis sind zu Beginn jeden Projektes auch die Erfassung der Anfrage in einer Projektdatei, die für jeden Auftrag angelegt wird. Nun wird in der Gruppe diskutiert, ob dieser Auftrag von uns angenommen werden kann. Entscheiden wir uns zusammen mit dem Ausbilder für das Projekt, wird von uns ein individuelles Angebot für den Kunden erstellt. Sobald das Angebot vom Kunden angenommen wird, erstellen wir in Zusammenarbeit mit unseren gewerblichen Azubi-Kollegen eine Materialliste der benötigten Bauteile. Nach Kontrolle der Liste durch den Ausbilder haben wir das Material entweder über den Zentralbereich Einkauf oder direkt über den elektronischen Marktplatz im Internet beschafft. Des Weiteren wird von uns in der Projektdatei die Kalkulation für den Auftrag vorgenommen. In der Kalkulation sind feste Gemeinkostenzuschlagssätze und Stundenverrechnungssätze für die gewerblichen Azubis hinterlegt, die für jeden Auftrag in diesem Geschäftsjahr gelten. Auch die auftragsbezogenen Arbeitsstunden der gewerblichen Azubis werden in der Projektdatei erfasst, sowie der Wert des Materials, das bisher hierfür bestellt wurde. Somit ergibt sich am Ende eine Gesamtsumme, die uns der Auftrag gekostet hat. Nach der Auslieferung geben wir die Gesamtkosten des Auftrages zur Verrechnung frei.
Auch die Besichtigung von Baustellen, die Materialbeschaffung direkt beim Händler oder die Auslieferung gefertigter Aufträge waren tolle Ergänzungen zum ohnehin aufregenden Alltag im Projektzentrum.
Die Azubis, die am Ende eines Geschäftsjahres im Projektzentrum eingesetzt sind, werden zusätzlich zu den täglichen Arbeiten noch mit dem Jahresabschluss betraut. In diesem Falle haben wir selbstständig eine Kostenzusammenstellung und einen Kostenvergleich erstellt und die neuen Gemeinkostenzuschlagssätze und Stundenverrechnungssätze errechnet. Diese Tätigkeiten brachten im Hinblick auf die Abschlussprüfung das schulische Wissen mit der Praxis in Zusammenhang. Dadurch hat sich unser Verständnis für kaufmännische Arbeitsabläufe verbessert und unsere Erfolgschancen in der Abschlussprüfung wurden gesteigert.
Insgesamt gesehen war das Projektzentrum die Abteilung, die uns persönlich am Besten gefallen hat, da wir hier fast uneingeschränkt selbstständig arbeiten und Verantwortung übernehmen durften. Wir haben hier gelernt, eigenständig Problemstellungen zu lösen, offen zu kommunizieren und eigenverantwortlich zu denken und zu handeln.
- Natascha Neuner und Patrick Müller
